Wie kann die Pflege in Deutschland gestaltet werden?


Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Pflege in Deutschland nicht in irgendeiner Form Thema in den Medien ist, zu bester Sendezeit und wo Größen aus der Politik versuchen Rede und Antwort zu stehen.


Der Gesetzgeber hat versucht mit einem Bündel an Maßnahmen die Weichen zu stellen. Im Januar letzten Jahres hat man die neuen Pflegegrade eingeführt.Ziel sollte sein, dem festgestellten Pflegebedarf besser gerecht werden zu können. Damit sollte sich die Situation von Pflegebedürftigen grundlegend verbessern. Das Hauptproblem, von dem man allerseits hört, ist jedoch der Mangel an Pflegefachkräften. Hier soll die Ausbildung attraktiver werden, das Schulgeld ist weggefallen und man will für vielfältigere Jobmöglichkeiten sorgen. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes vom Pflegeheim ins Krankenhaus und umgekehrt soll leichter werden.

Um die Situation in der Pflege zu verbessern will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn(CDU) mit einem Sofortprogramm 13.000 zusätzliche Stellen in der Altenpflege schaffen. Zusätzlich hierzu sollen Anreize in der Ausbildung dem Mangel an Pflege- und Fachpersonal in der Altenpflege entgegenwirken. Auch soll die Situation des Pflege- und Fachpersonals verbessert werden, indem man mehr für die Gesundheitsförderung von Beschäftigten in der Pflege tun will.

Erst vor wenigen Tagen hat Jens Spahn den Maßnahmenkatalog erweitert. Die Beiträge zur Pflegeversicherung sollen erhöht werden, man will die stationäre Pflege verbessern und es soll eine flächendeckende Tarifzahlung in der Altenpflege eingeführt werden.

Man sieht, dass nun in vielen Bereichen Maßnahmen ergriffen werden sollen, doch gibt es nicht auch andere Wege, dieses Problem anzugehen?

Vor etwa einem Jahr äußerte sich Prof. Dr. Bosco Lehr vom Institut für eHealth und Management im Gesundheitswesen (IEMG) an der Hochschule Flensburg hierzu in einem Interview. Er stimmte zu, dass die Maßnahmen in die richtige Richtung gehen, fügte jedoch hinzu, dass eine Entlastung des Pflegpersonals einen höheren Personalschlüssel sowie die Erleichterung des Arbeitsalltags durch moderne und zeitgemäße technische Hilfsmittel erfordert. Gerade dieser Punkt wird in Deutschland zu wenig diskutiert und aufgegriffen.

„Eine Unterstützung und dadurch auch Entlastung des Pflegepersonals durch Technologien ist ein weiterer wichtiger Ansatz. Dadurch kann die Arbeitsqualität und Arbeitszufriedenheit des Pflegepersonals sowie die Qualität der Pflege und Betreuung sowie die Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessert werden“, sagte Prof. Dr. Bosco Lehr.

Beim Einsatz von Technologien sind es vor allem IT- und sensorgestützte Technologien und Lösungen, die ein großes Potential haben. Hier gibt Prof. Dr. Lehr jedoch zu bedenken, dass: „Technologien die persönliche Interaktion nicht ersetzen können. Bei der Einführung von Technologien muss man berücksichtigen, dass Menschen, die eventuell in ihrem bisherigen Leben wenig Umgang mit diesen modernen Assistenzsystemen gehabt haben, hier Unterstützung und Hilfe brauchen. Überraschenderweise zeigen Forschungsergebnisse im Rahmen des Projekts Demantec jedoch, dass Pflegebedürftige und Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden, gegenüber Tablets aufgeschlossen sind und an Videotelefonie und digitalen Fotoalben interessiert sind.“

In den Niederlanden hat man vergleichsweise positive Erfahrungen mit dem Umgang von digitalen Technologien, hier haben 81 % der über 65-Jährigen einen Internetzugang.

Sieht man den Einsatz von Technologien aus der Sicht der Pflegekräfte, so meint Prof. Dr. Lehr, dass diese Technologien einfach zu bedienen seien und den Pflegealltag unterstützen sollten. Im Rahmen seiner Forschung im Projekt Demantec zeigte sich, dass Pflegekräfte Technologien wünschen, die nicht unbedingt aktiv bedient werden müssen, sondern stattdessen im Hintergrund arbeiten. Beispiele hierfür können Sensortechnologien und die Überwachung von Vitalparametern, wie die Überwachung des Pulses, des Schlafs oder aber von Bewegungsmustern und der Aktivität über den Tagesverlauf sein.

Deutschland ist ein Technologieland. Trotzdem halten verfügbare Technologien verzögert in die Pflege Einzug, obwohl man hier auf der einen Seite den Pflegenotstand lindern und auf der anderen Seite die Würde der alten Menschen bewahren könnte. Die Frage an Prof. Dr. Lehr ist hier, woran dies liegen könnte und welche Technologien am leichtesten einzuführen sein könnten.

Prof. Dr. Lehr sieht Gründe, die den Einsatz von Technologien erschweren vor allem in den umfassenden deutschen Gesetzen zum Datenschutz und der Angst vor Datenmissbrauch. Hinzu kommt, dass einige Menschen in ihrem bisherigen Leben wenig Umgang mit Technologien hatten und daher skeptisch sind. In Dänemark meint Prof. Dr. Lehr, ist man hier schon weiter. Dänemark ist ein sehr innovatives Land. Gedächtnisstützen für die Medikamenteneinnahme, Roboter, Sensoren und Kommunikations- und Organisationsplattformen sind nur einige Beispiele für innovative Technologien, die eingesetzt werden.

Interessiert an weiteren aktuellen Informationen zum Projekt?