Wenn die Lebensqualität an Demenz Erkrankter durch Technologie unterstützt werden soll, benötigt dies Angestellte mit vielfältigen Kompetenzen

Von Ulla Skjødt, Lektorin, PhD.; Jacob Suhr Bisschop-Thomsen, Dozent; Sus Dambæk, Lektorin; Lene Teglhus Kauffmann, Dozentin, PhD.; Louise Solholt Pedersen, Dozentin und Lone Holst Rosager, Dozentin, Professionshøjskolen Absalon (University College Absalon, Dänemark)

Der fortschrittliche Sinnesschaukelstuhl steht ungebraucht in einer dunklen Ecke. Ein großer Bildschirm hängt im Gemeinschaftsraum des Pflegeheimes an der Wand und ist genau so dunkel wie die Ecke, in der der stimulierende Schaukelstuhl steht. Die Altenpflege der Zukunft braucht mehr Fokus auf die Fragen des „für wen?“ und „zu welchem Zweck?“ pflegetechnologische Produkte angeschafft werden, sowohl mit Hinblick darauf, was für den an Demenz Erkrankten wichtig ist, als auch einer wirtschaftlichen Perspektive.
Wenn dann pflegetechnologische Produkte angeschafft werden, benötigt dies Führungskompetenzen für das in Gang setzen und Leiten des Prozesses bis das technologische Produkt wie vorgesehen angewendet wird.

Die Pflege älterer Menschen, welche an Demenz leiden, ist eine der zukünftig größten Herausforderungen der Altenpflege. In Dänemark stellte der nationale Handlungsplan für Demenz von 2017 das Thema in den Vordergrund, und es wird unter anderem mit Hochdruck daran gearbeitet, demenzfreundliche Gemeinden zu schaffen. Im Demantec Projekt arbeiten Partner über die deutsch-dänische Grenze hinweg, um Möglichkeiten zu schaffen, welche helfen können, die oben genannte Herausforderung zu bewältigen. Dies bedeutet, dass die Resultate Demantecs konkrete Fertigkeiten für jetzige und zukünftige Leiter und Mitarbeiter von Pflegezentren hervorheben, um diesen den Einsatz von Pflegetechnologie zum Vorteil von sowohl des an Demenz Erkranktem als auch des öffentlichen Haushaltes zu erlauben.

Pflegetechnologie unterstützt nicht immer die Lebensqualität des an Demenz leidenden Älteren

Im Demantec Projekt liegt der Schwerpunkt auf Demenzpflege und praktischer Anwendung von Pflegetechnologie im Pflegeheim. Die Resultate des Projekts zeigen, dass auf diesem Gebiet viele verschiedene technologische Produkte zu finden sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie alle notwendigerweise dazu beitragen, die Lebensqualität des an Demenz Erkrankten zu unterstützen.

Beispielsweiße zeigten Untersuchungen Demantecs, wie die Lebensgeschichten Demenzerkrankter durch Bild und Ton eines iPads zu aktivieren versucht werden. Es stellte sich heraus, dass viele Ältere, welche in Pflegewohnungen leben – selbstverständlich – ein iPad nicht bedienen können. Dies bleibt stattdessen ein ‘dunkles Quadrat’, das passiv auf dem Wohnzimmertisch liegt und ein Hindernis für den Einstieg in eine erinnerungsweckende Unterhaltung sein kann. Im Gegenzug zeigte sich, dass eine auf dem Wohnzimmertisch liegende Mappe mit Bildern der Lebensgeschichte des Älteren einen einfacheren Einstieg in eine gute Unterhaltung darstellt und damit eine gemütliche, erinnerungsweckende Stunde bewirken kann. Man kann daher sagen, dass es weder aus wirtschaftlicher Sicht schlüssig ist für alle Älteren iPads zu kaufen, noch aus pflegetechnologischer Sicht in diesem Zusammenhang notwendigerweise zur Unterstützung derer Lebensqualität beiträgt.

Notwendige Kompetenzen wenn Pflegetechnologie sinnvoll im Leben der Älteren eingesetzt werden soll

Die Resultate Demantecs zeigen, dass es ein vielseitiges Fertigkeitsportfolio seitens sowohl der Leitung als auch der Mitarbeiter benötigt, wenn die Herausforderung des sinnvollen Einsatzes von Pflegetechnologie in der Altenpflege der Zukunft bewältigt werden soll. Um zu bewerten, ob ein gegebenes, technologisches Produkt für die Pflege einer Person sinnvoll wäre, benötigt es spezifisches und fachliches Wissen über Umstrukturierungsprozesse, proaktive Leitung, verschiedener Demenzformen und deren Ablauf sowie personenbezogene Pflege.

Um zu gewährleisten, dass Mittel vernünftig verwendet werden und die richtige Entscheidung über den Einkauf pflegetechnologischer Produkte getroffen wird, ist ein Vorschlag Demantecs, dass Bildungsinstitutionen und Heimverwaltungen zusammenkommen, um sowohl Heimleitung als auch Mitarbeiter fortzubilden. Auch wichtig wäre es, oben genannte Kompetenzen in den Alltag öffentlicher Praxis einzubeziehen. Diese sollten beitragen, wenn Entscheidungen über Anschaffung und Integration von Pflegetechnologie getroffen werden, um bestmögliche Resultate im Alltag der Pflegebedürftigen zu erzielen.

Kompetenzentwicklung sollte auf verschiedene Arten organisiert werden

Hierüber hinaus zeigen die Resultate Demantecs, dass Kompetenzbildung zur Bewertung von Einkauf, Anwendung und Integration von Pflegetechnologie, welche dem Pflegebedürftigen zugute kommt, am besten durch die Kombination verschiedener Lehrmodelle und Räumlichkeiten gefördert wird.

Dies kann in einem Klassenzimmer oder einem Pflegeheim sein oder auch als virtuelle Vorlesung gestaltet werden. Diese verschiedenen Lehrmodelle geben den Angestellten die Möglichkeit zu erfahren, dass pflegetechnologische Produkte nur dann eingekauft und angewandt werden sollten, wenn der individuelle Pflegebedürftige Nutzen an beispielsweise einem Sinnesschaukelstuhl, einer Roboter-Robbe,
oder einem Fallsensor hätte. Gleichzeitig können die Angestellten auf eine andere Art erleben, wie moderne Pflegetechnologie die Pflege unterstützt und sie nicht einschränkt oder gar verhindert. Dies bedarf also, zukünftige Kompetenzen für die Altenpflege einzubeziehen und dass Leitung und Mitarbeiterstab sich reflektiert und kritisch zur Qualität von Pflegetechnologie in Bezug auf den zu pflegenden Älteren verhalten können.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollten öffentliche Verwaltung und Pflegestifte dazu bereit sein, Raum zur Reflektion bereitzustellen. Dies bedeutet, sogenannte Living Labs, wo Leitung und Mitarbeiter zusammen Lösungen in Bezug auf individuelle Pflegefälle finden und Prozesse schaffen, um neue pflegetechnologische Produkte in Ihren Alltag zu integrieren. Hierdurch soll vermieden werden, dass der Sinnesschaukelstuhl und alle anderen Arten von Pflegetechnologie, welche die Pflege von beispielsweise Demenzerkrankten erleichtern, in einer dunklen Ecke verstauben, sondern stattdessen als ein natürlicher Teil des Arbeitsalltages integriert werden.

Gute Erfahrungen mit internationaler Zusammenarbeit

Beispiele an Kompetenzen und Wissen im Bereich Pflegetechnologie und Demenz sind noch umfassender als oben erwähnt. Demantec hat als internationales Projekt Daten in sowohl Deutschland als auch Dänemark gesammelt. Die Unterschiede zwischen den Ländern wiederum verschärfen den Blick. Sowohl Gesetzgebung als auch Verwaltung von pflegebezogenen Mitteln sind in beiden Ländern sehr unterschiedlich.

In Deutschland sind pflegebezogene Mittel in hohem Grade mit privaten Trägern verbunden, wohingegen diese in Dänemark meistens an öffentliche gebunden sind. Des Weiteren wohnen Ältere in Deutschland in Pflegeheimen, wohingegen sie in Dänemark in ihren selbst gemieteten Pflegewohnungen in Pflegezentren leben.

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Ländern führen zu einigen Herausforderungen beim Vergleich der Untersuchungsresultate. Im Laufe des Jahres 2018 wird dieser Herausforderungen durch eine Kooperation zwischen den Bildungsinstitutionen der Hochschule Flensburg und der dänischen Hochschule Absalon entgegengewirkt. Ziel dieser Kooperation ist der Austausch von Wissen zu kompetenzbildenden Maßnahmen in den Bereichen der Organisation, Technologie und Lebensqualität von an Demenz Erkrankten.

Weitere Informationen

Wünschen Sie weitere Informationen über die Arbeit mit Pflegetechnologie in den Pflege von demenzerkrankten Älteren, sind Sie herzlich willkommen Ulla Skjødt, Lektorin und Ph.D. der Hochschule Absalon unter usk@pha.dkzu kontaktieren.

Die dänische Hochschule Absalon ist ein Partner des deutsch-dänischen Demantec Projekts. Im Projekt arbeiten Unternehmen, Forscher und Pflege- und Gesundheitspersonal aus Pflegeheimen und der Heimpflege zusammen, um die Lebensqualität für Menschen mit Demenz und Ihren Angehörigen zu verbessern sowie die Arbeit des Pflegepersonals zu erleichtern, indem bereits vorhandene Technologien im Hinblick auf konkrete Problemstellungen im Bereich Demenz justiert, angepasst und weiterentwickelt werden.

Interessiert an weiteren aktuellen Informationen zum Projekt?