Technologien sollen zur Lösung der Herausforderungen im Umgang mit Demenz beitragen


Ein wichtiger Bestandteil in der Arbeit für eine Gesellschaft mit höherer Lebensqualität für demenzerkrankte Personen und verbesserte Arbeitsverhältnisse des Pflegepersonals ist der Einsatz von Technologien. Sowohl in Dänemark als auch in Deutschland treiben die Gesetze und nationale Strategien die Entwicklung voran. Jedoch ist der Zugang in den jeweiligen Ländern durchaus verschieden. Das Demantec-Projekt hat den Teilnehmern der Netzwerkveranstaltung an der Hochschule Flensburg einen Einblick in die Konsequenzen der neuen Pflegereform in Deutschland gegeben.


1,5 Millionen oder rund 2% der deutschen Bevölkerung leiden an Demenz. In Dänemark sind ebenfalls viele betroffen, jedoch handelt es sich hier um rund 1% der Bevölkerung. Demenz kann somit in beiden Ländern als Volkskrankheit bezeichnet werden. Die Folgen dieser Zahlen sind im Alltag deutlich spürbar. Dies gilt nicht nur für die demenzerkrankten Personen selbst, die langsam ihre Selbstständigkeit verlieren und pflegebedürftiger werden, sondern auch für ihre Angehörigen und das Pflegesystem. Neue Ressourcen müssen gefunden und neue Kompetenzen erlernt werden, um die Menschen mit Demenz zu pflegen.

Sowohl in Dänemark als auch in Deutschland liegt die Aufmerksamkeit auf neuen Methoden und Lösungen, die den Herausforderungen im Umgang mit Demenz entgegentreten können. Aber der Zugang in beiden Ländern ist sehr unterschiedlich. Das war das Thema für die dritte Netzwerkveranstaltung des deutsch-dänischen Projekts Demantec, die an der Hochschule Flensburg abgehalten wurde.

Dänemark:
Öffentlich finanzierte Hilfe mit Fokus auf Unterstützung und Einbezug der Angehörigen

In Dänemark wird die Hilfe und Pflege für Menschen mit Demenz durch Steuern finanziert. Alle Bürger mit physischen oder psychischen Behinderungen und besonderen sozialen Problemen, können Hilfe bei der persönlichen Pflege und bei Arbeiten im eigenen Zuhause erhalten. Die Unterstützung wird von der Gemeinde durch Hilfsmittel, Heimpflege oder einen Pflegeheimplatz zur Verfügung gestellt. Die Bürger bezahlen einen Teil der Miete für einen Pflegeheimplatz. Das Pflegeniveau wird von der Gemeinde mit Hilfe von den Regelungen des Servicegesetzes, bestimmt (Vejledning om hjælp og støtte efter serviceloven).

Die dänische Regierung hat außerdem einen nationalen Demenzplan entwickelt (national-demenshandlingsplan.aspx), um Dänemark zu einem demenzfreundlichen Land zu machen. Die Gemeinden werden dazu aufgefordert Demenzstrategien auszuarbeiten, die die Einbeziehung der Angehörigen und demenzfreundliche Wohnangebote umfassen.  Mehr Menschen sollen informiert werden, damit die Krankheit früher entdeckt, und frühzeitig mit medizinischer Behandlung und geeigneten physischen Aktivitäten unterstützt werden kann. Außerdem soll der Verbrauch an antipsychotischen Medikamenten für Menschen mit Demenz bis 2025 auf 50% reduziert werden.

Deutschland:
Neue Pflegereform erlaubt demenzerkrankten Personen erweiterten Zugang zu versicherungsfinanzierten Pflegeleistungen

In Deutschland wird die Demenzpflege und -hilfe durch die gesetzlichen Krankenversicherungen finanziert. Alle krankheits- oder behinderungsbedingt pflegedürftigen Bürger werden vom Pflegeversicherungsgesetz erfasst. Die Hilfs- und Pflegebedürfnisse des einzelnen Bürgers werden von einem Arzt bewertet. Generell kann man sich entweder für das Pflegegeld für die Pflege im eigenen Zuhause oder für die Pflege im Pflegeheim entscheiden. Die Hilfe wird überwiegend von non-profit-Organisationen wie Caritas oder der Diakonie geleistet, während 40% von privaten Anbietern und nur 6% von den Gemeinden geleistet wird (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Die Definition von ”Pflegebedürfnis” ist grundlegend für die Unterstützungsberechtigung und ausschlaggebend dafür, wieviel Hilfe man von der Krankenversicherung in Deutschland erhält. Der Pflegegrad kann, basierend auf dem gesundheitlichen Zustand des Bürgers, eingestuft werden zwischen etwas Hilfe einmal wöchentlich bis zu 24-stündiger Hilfe.

Bisher basierte die Pflegestufe allein auf der physischen Funktionsfähigkeit. Die Bedürfnisse der Personen mit Demenz oder Alzheimer, die zusätzlich Überwachung, Motivation, Aktivierung, Anleitung und Unterstützung benötigen, waren somit nicht umfasst. Dies wurde nun mit Hilfe des Pflegestärkungsgesetz II, das am 1. Januar 2017 in Kraft trat, geändert.

”Wir haben uns von der alten Definition distanziert. Wir unterscheiden immer noch Pflegestufen, aber diese sind nun anders eingeteilt. Wir betrachten den ganzen Menschen, so dass das Pflegebedürfnis nach psychischen und sozialen Herausforderungen bewertet wird. Die Pflegestufe wird nach Selbstständigkeit des Bürgers eingeteilt. Man erhält als Bürger Punkte, wonach man in einen von fünf Pflegegraden eingestuft wird“, erklärt Sven Peetz, Referatsleiter Pflege in der vdek-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Sven Petz gab den Teilnehmern der Netzwerkveranstaltung einen Einblick in die bedeutendsten Veränderungen der Pflegereform.

Technologie als Teil der Lösung

Mit der neuen Pflegereform sind Menschen mit Demenz deutlich bessergestellt als früher. Sie schafft einen einfacheren Zugang zu Pflegeleistungen und gewährleistet mehr Hilfe für die einzelne Person. Aber sie bringt auch zusätzlichen Druck auf das System, da mehr hilfsberechtigte Menschen auch einen erhöhten Bedarf an Arbeitskraft bedeutet –dies ist in Deutschland eine Herausforderung, da es bereits jetzt einen Mangel an Pflegepersonal gibt.

Bildungseinrichtungen haben als Konsequenz ihre Aufnahmequote erhöht. Das reicht jedoch nicht. Wir müssten den Blick deshalb auch auch neue Methoden und Technologien richten, die den Pflegebedürfnissen der Menschen mit Demenz entgegenkommen. Das sei, laut Sven Peetz, eine schwere Last. Er erwartet jedoch, dass wir in den kommenden Jahren eine wesentliche Steigerung des Einsatzes von Demenztechnologien in den Bestellkatalogen des Pflegebereichs sehen werden. Vielleicht nicht Technologien, die die dementen Bürger selbst bedienen können, aber Technologien, die das Pflegepersonal in ihrer Arbeit unterstützen können.

”Das Gewöhnen an Technologien geht in Deutschland langsam voran, weil man sich daran gewöhnen muss, welche Rolle Technologien in Pflegesituationen spielen können”, sagt Sven Petz. Er weist auf die kulturelle Auffassung in Deutschland hin, dass Menschen von Menschen gepflegt werden – nicht von Maschinen und Robotern.„Die Idee, dass Technologien die Pflege unterstützen können und wir weiterhin gute Pflege leisten können, die nicht auf Nähe verzichten muss, ist gewöhnungsbedürftig und deshalb schreitet es langsam voran“, meint Sven Peetz.

Ausstellung demenzunterstützender Technologien

Als Teil der Netzwerkveranstaltung wurden demenz- und pflegeunterstützende Technologien und Lösungen ausgestellt, um den Teilnehmern eine Möglichkeit zu geben, diese zu testen und mehr darüber zu erfahren, wie sie den Alltag der Menschen mit Demenz erleichtern können.

Hier gab es von Kommunikationssystemen, die eine Struktur im Alltag erschaffen können, über intelligente Sensoren und Notrufe, die für die frühe Aufspürung und Alarmierung von u.a. Fällen und Wanderungen sorgen, bis hin zu beruhigenden Schaukelstühlen und Liegematten eine große Vielfalt an Lösungen.

Einer der Aussteller war das dänische Unternehmen Vendlet, das Liegematten und Wendelaken entwickelt hat. Lösungen, die eine beruhigende Auswirkung auf demente Personen haben und gleichzeitig die Arbeitsverhältnisse des Pflegepersonals verbessern, indem sie weniger schweres Heben und somit mehr Zeit für Nähe und persönlichen Kontakt erlauben.

 

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