Technische Assistenzsysteme wecken Erinnerungen bei demenzerkrankten Personen in Apenrade


Die Apenrader Gemeinde setzt zielstrebig auf eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, um technische Assistenzsysteme zu finden, die dementen Bürgern in der Gemeinde ein besseres Leben geben können. Im Demenzpflegeheim Rise Parken haben die Bewohner mit den technischen Assistenzsystemen gute Erlebnisse.


Es war schwer nicht zu lächeln, als ein dementer Bewohner des Pflegeheims Rise Parken in der Apenrader Gemeinde, auf seinem Heimtrainer radelte, während auf dem großen Fernsher vor ihm ein Film über eine Fahrradtour durch die Stadt Apenrade lief. Man merkte sofort, dass der Bewohner die Umgebungen im Film erkannte und wieder etwas auflebte.
Hundert Besucher haben sich vom Apenrader Rathaus auf den Weg ins Rise Parken gemacht, wo sie die Kick-Off-Konferenz für die deutsch-dänische Demenzzusammenarbeit, Demantec, besucht haben. Nachdem sie den ganzen Tag damit verbracht haben, über technische Assistenzsysteme zu sprechen, die Personen mit Demenz ein besseres Leben verleihen können, standen sie nun im Rise Parken und sahen es in der Praxis.
2016-06-21 14.43.50Technische Assistenzsysteme sind ein integrierter Teil des Alltags im Rise Parken, wo sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter, sich an Dingen wie technologischen Haustieren, z.B. ein Roboterseehund, beruhigenden Schaukelstühlen oder Wellness- und Sinnesräumen, erfreuen können.
„Die technischen Assistenzsysteme helfen nicht nur den Bewohnern, sie gibt auch Ressourcen beim Personal frei, sodass wir uns mehr Zeit für den menschlichen Kontakt nehmen können. Zum Beispiel können manche unserer Bewohner eine viertel Stunde Fahrrad fahren ohne Hilfe zu benötigen. Diese Zeit können wir in andere Bewohner investieren.“ sagt Else Iseling, Pflegeheimleiterin im Rise Parken.

 

Strategischer Fokus auf Wohlfahrtstechnologie

Die Apenrader Gemeinde war Mitveranstalter der Kick-Off-Konferenz und ist zusammen mit dem Rise Parken Teil der Demantec-Zusammenarbeit. Es ist kein Zufall, dass die Gemeinde sich in dem deutsch-dänischen Projekt engagiert, das innovative Lösungen im Demenzbereich schaffen soll. Seit 2010 hat die Gemeinde strategisch daran gearbeitet, technische Assistenzsysteme in der Altenpflege einzuführen.

„Demenz ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Unsere Vision für Demantec ist, dass wir gemeinsam grenzüberschreitende Lösungen schaffen können, die unseren dementen Bürgern einen besseren Alltag schenken können. Als Leiter einer großen Organisation, ist es mir wichtig ein Signal zu setzen, das den Wunsch ausdrückt, gemeinsam mit anderen Ideen für unsere Bürger zu entwickeln.“ sagt Thomas Andersen, Bürgermeister der Apenrader Gemeinde.

Die Gemeinde steht vor Herausforderungen durch demographische, strukturelle und finanzielle Veränderungen, eine steigende Komplexität in Gesundheitsproblemen sowie Erwartungen unter den Bürgern, dass es der Gemeinde gelingen soll, vielseitige Lösungen für sehr verschiedene Nutzer zu bieten.

Daher setzt die Gemeinde Apenrade auf eine enge Zusammenarbeit mit Bürgern, Unternehmen, Mitarbeitern, Bildungseinrichtungen und dem Gesundheitssystem. Das Stichwort ist co-creation in einem Alltag, in dem „üblicherweise…“ nicht existiert, und wo technische Assistenzsysteme und Digitalisierung ein integrierter Teil aller Aktivitäten sind.

„Wir haben drei ganz klare Ziele mit den technischen Assistenzsystemen: Wir wollen den Bürgern ein besseres Leben bieten, die Ausgaben in dem Bereich kontrollieren, damit wir einen größeren finanziellen Anwendungsbereich haben, und wir wollen Innovation in einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen fördern.“ sagt Anne Kathrine Pagh Kold, Wohlfahrtskoordinatorin in der Gemeinde Apenrade.

Die Technologie stellt Anforderungen an das Personal

Im Rise Parken wurde deutlich, dass die technischen Assistenzsysteme tatsächlich einen Unterschied im Leben der Menschen mit Demenzerkrankungen bringen. Die Bewohner ließen sich nicht von den vielen Besuchern stören, ganz im Gegenteil genossen sie dennoch die Heimtrainer und Sinnesräume. Die vielen verschiedenen Arten von technischen Assistenzsystemen stellen Anforderungen an das Personal und hier spielt Demantecs Einsatz im Ausbildungsbereich eine wichtige Rolle. Eins der Ziele ist, dass die Partner in Demantec zusammen neue Ausbildungsangebote entwickeln, die sich mehr auf die Anwendung von technischen Assistenzsystemen konzentrieren.

„Wenn wir die technischen Assistenzsysteme vollkommen ausnutzen wollen, erfordert es eine Spezialisierung unseres Personals. Im Moment bildet unser Schlüsselpersonal die neuen Kollegen aus. Es würde unseren Alltag merkbar erleichtern, wenn Neuausgebildete mit den grundlegenden Kompetenzen der technischen Assistenzsysteme dazu kommen würden oder wenn unser jetziges Personal sich nachschulen könnte.“ sagt Else Iseling.

Sie erklärt, dass es nicht nur um Kompetenzen ginge, sondern auch darum, den Mut zu haben, sich den technologischen Möglichkeiten zu stellen, und sich zu trauen Dinge auszuprobieren ohne Angst davor zu haben etwas falsch zu machen. Letztendlich wären die technischen Assistenzsysteme zentral, wenn es mehr Platz für Fürsorge geben soll, in einer Zeit, in der Normierungen und Budgets unter hohem Druck stehen.

„Es gibt nichts, dass den menschlichen Kontakt und Berührungen ersetzen kann. Darum ist es fantastisch technische Assistenzsysteme zu haben, die dafür sorgen, dass wir mehr Zeit für unsere Bewohner haben.“ sagt Elise Iseling.

In den kommenden Tagen sind jedoch nicht die technischen Assistenzsysteme der Grund zur Freude: Rise Parkens süßes Meerschweinchen entbindet bald und das ist ein Ereignis, das niemand verpassen möchte.

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