Internationale Highlights der Demenz-Konferenz: Technologiebasierte Demenzpflege


Demenz ist eine Erkrankung die sich nicht nur auf den Betroffenen selbst, sondern auch auf seine Angehörigen auswirkt. Zu dieser Thematik wurde am 11. Oktober 2017 im Rahmen des Interreg-Projekts Demantec eine Konferenz mit dem Titel “Technologiebasierte Demenzversorgung“ auf dem dänischen Wissensfestival WHINN (Week of Health and INNovavtion) abgehalten. „Durch Lernen und Aufklärung können wir verhindern, dass Demenz stigmatisiert und stereotyp behandelt wird“, betonte die Referentin Karin Lind-Mörnesten von Swedish Care International.


Derzeit leiden 47 Millionen Menschen weltweit unter Demenz. Bis 2050 erwarten Experten einen Anstieg auf 131 Millionen Betroffene. Die Kosten für Behandlung und Pflege sollen sich hierbei bis zum Jahr 2050 verdreifachen. Dabei betrifft Demenz nicht nur die Demenzkranken, sondern auch deren Angehörige.

Bei einer internationalen Demenzkonferenz zum Thema „Technologiebasierte Demenzversorgung“, die im Rahmen des Intereg-Projektes Demantec am 11. Oktober 2017 stattfand, wurden die neusten Erkenntnisse, Erfahrungen und Praxisbeispiele in der Demenzversorgung vorgestellt. Gastreferenten aus Schweden, Schottland, England und Dänemark präsentierten Beispiele einer vorbildlichen Demenzversorgung in Europa mit praktischen Tipps für ein besseres Leben mit Demenz – sowohl für das medizinisches Fachpersonal, das Pflegepersonal als auch für Angehörige und schließlich auch für die an Demenzerkrankten selbst.

„Wir alle haben eine Verantwortung und eine Rolle bei der Verbreitung von Kenntnis und Erkenntnissen, mit dem Ausgangspunkt, dass Demenz eine Krankheit ist, die nicht nur die Erkrankten betrifft. Wissen, Lernen und eine maßgeschneiderte Ausbildung helfen der Stigmatisierung von Demenzpatienten und dem Schubladendenken entgegenzuwirken“, so Karin Lind-Mörnesten, Geschäftsführerin von Swedish Care International, in ihrem Vortrag auf der Demenzkonferenz.

Digitale Tools erhöhen die Lebensqualität von Demenzkranken

Swedish Care International arbeitet auf dem Gebiet der Demenzerkrankung mit dem Ziel Wissen über die Demenzerkrankung zu verbreiten und in die Praxis umzusetzen. Das Fachpersonal und die Angehörigen sollen dazu ausgebildet werden die besonderen Bedürfnisse und Herausforderungen, welche die Erkrankung mit sich bringt, zu bewältigen. Mittels digitaler Tools, wie z. B. E-Learning-Plattformen und Smartphone-Apps hilft Swedish Care International den Fachkräften, den Demenzerkrankten selbst sowie deren Angehörigen und setzt sich Ziel die Lebensqualität von Demenzleidenden zu verbessern.

Es gibt zurzeit keine Aussicht auf Heilung von Demenz, daher wird zunehmend daran gearbeitet zu ermitteln wie die richtige Pflege das Leben mit Demenz für die Kranken und ihre Angehörigen erleichtern kann.

„Durch die richtigen Technologien können wir mehr erreichen – und mehr Gruppen in der Gesellschaft in unsere Arbeit einbinden. Technologie kann eine maßgeschneiderte Ausbildung fördern und Wissen darüber generieren, wie Menschen mit Demenz immer noch ein gutes Leben führen können, trotz ihrer Demenzerkrankung und wenn wir fachübergreifend und über die gesellschaftlichen Gruppen hinweg zusammenarbeiten”, so pointierte Karin Lind-Mörnesten in ihrem Vortrag.

Die Arbeit von Swedish Care International basiert auf den vier grundliegenden Prinzipien der Stiftung Silviaheim (https://sci.se/services/certifications/silviahemmet), die auch die Eckpunkte der gleichnamigen Stiftung (Silviahemmet http://www.silviahemmet.se) bilden: Symptomkontrolle, Angehörigenunterstützung, Teamarbeit sowie Kommunikation und Beziehung.

Technologien müssen an die Bedürfnisse des Einzelnen angepasst werden

Donna Henderson vom Scottish Centre for Telehealth and Telecare verfügt über langjährige Erfahrung in der digitalen Gesundheitspflege und beschäftigt sich in der täglichen Arbeit mit der Krankheit Demenz. Während ihres Vortrags auf der Demenzkonferenz nahm sie die Teilnehmer mit in die Vergangenheit und zeigte die Entwicklung auf dem Gebiet der Demenzerkrankung der letzten 10 Jahre und gab anschließend einen Ausblick.

”In den letzten 10 Jahren hat sich nicht nur die Technik stark entwickelt, sondern auch die Pflege der Demenzerkrankten hat Fortschritte gemacht, in Zusammenarbeit mit medizinischen Fachkräften, der Gesellschaft und den Angehörigen der Demenzkranken. Ohne diese ständen wir großen Herausforderungen gegenüber, die nur schwer zu meistern wäre”, so Donna Henderson.

In Schottland konzentriert sich das schottische Zentrum für Telehealth & Telecare vor allem auf drei Bereiche: Zum einen auf Telecare-Sitzungen, bei denen Bürger im Bedarfsfall Hilfe über den Computer oder das Telefon auch über große räumliche Entfernungen erhalten können,  zum anderen auf POD – Product On Display, der physischen Präsentation von Hilfsmitteln in den Ressourcen Zentren  und zum dritten auf die Schulung von Angehörigen und die Verbreitung von Kenntnissen über Technologien, die bei der Bewältigung des Alltags von Erkrankten sowie Angehörigen helfen können.

„Die Technologie ist da, aber sie muss den Bedürfnissen des Einzelnen angepasst werden“, sagte Donna Henderson.

Die Zukunft für Menschen mit Demenz aus internationaler Perspektive

Alle Vortragenden und Experten der Demenzkonferenz waren sich darüber einig, welche Maßnahmen in der Zukunft für Menschen mit Demenz, deren Angehörige und das medizinische Fachpersonal optimale Bedingungen für ein gutes Leben mit Demenz schaffen können. Folgende Punkte wurden als Schwerpunktthemen in Bezug auf die technologiegestützte Demenzversorgung genannt:

  • Wissen und Kenntnisse zur Demenzerkrankung
  • Vermehrte Ausbildung und Schulung von Angehörigen und Gesundheitsfachkräften
  • Wissensaustausch – sowohl von Fehlern als auch von Erfolgen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene
  • Der Einsatz von Technologie ist nicht auf das Alter beschränkt – auch ältere Menschen können mit Technologie umgehen

„Die globale Herausforderung gerade jetzt ist, den Erfahrungsaustausch in jeder Hinsicht zu forcieren, Erfahrungen fachlich und professionell auszutauschen, damit jeder, der in den dementen Menschen umgebenden Teams arbeitet, vermehrt Input und Ideen bekommt und mehr über Menschen mit Demenz erfahren kann,” sagte Karin Lind-Mörnesten.

Hier kann man englischsprachige Materialien zum Thema erhalten https://www.welfaretech.dk/arrangementer/materiale-fra-arrangementer/2017/oktober/trends-in-dementia-research-and-technology-based-care (Englisch)

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