Im Gespräch: Die Technologiepartner von Demantec

Bei Demantec stehen im Rahmen der Projektverlängerung die Bedürfnisse und Anforderungen von Angehörigen von Menschen mit Demenz an unterstützende, innovative Technologien im Mittelpunkt. Wir haben daher bei Lars Jessen (Life Partners A/S) und Anders Stæhr (Boblberg.dk) nachgefragt, um mehr über die im Projekt eingebundenen Konzepte für pflegende Angehörige zu erfahren.

Demantec: Herr Jessen, Sie sind von Anfang an bei Demantec dabei und nehmen nun auch an der Verlängerung teil: Was hat Sie hierzu am meisten motiviert?
Lars Jessen: Meine größte Motivation war und ist der neue Fokus auf die Angehörigen und die Frage, wie wir diesen helfen können, besser und effizienter mit den Pflegekräften kommunizieren und planen zu können. Denn es gibt viele Angehörige von Menschen mit Demenz (MmD), die aufgrund der Pflegetätigkeiten nur noch eingeschränkt am sozialen Leben teilhaben können. In dem kommenden Projektabschnitt werden nun digitale Kommunikationslösungen, wie Video- und Telemonitoring, getestet, was wir für sehr interessant und vielversprechend halten.

Demantec: Und welche Erfahrungen waren für Sie im Projekt bislang am wertvollsten, Herr Jessen?
Lars Jessen: Der große Unterschied in den Kulturen und Strukturen. Dänemark ist vollkommen anders als Deutschland. Was ich dabei allerdings wahrgenommen habe ist, und das ist das Interessante, dass die Bevölkerungen beider Länder vor den gleichen Problemen stehen.

Demantec: Herr Stæhr, im Zuge der kürzlichen Verlängerung sind Sie als neuer Partner zu Demantec gekommen – wie sind Sie auf das Projekt aufmerksam geworden?
Anders Stæhr: Wir haben an einer Demantec-Veranstaltung teilgenommen, zu der uns Welfare Tech eingeladen hatte. Bei dieser Veranstaltung erfuhren wir dann mehr über das Demantec-Projekt und beschlossen ein Teil davon zu werden.

Demantec: Und was hat den Ausschlag zu dieser Entscheidung gegeben, Herr Stæhr?
Anders Stæhr: Die mit dem Projekt addressierten Herausforderungen von pflegenden Angehörigen halten wir für sehr wichtig und zudem sind wir genau hier bereits auch tätig. In der Verlängerung werden die Bürger in den Mittelpunkt gestellt und sich auf die Einbeziehung der Benutzer konzentriert. Mit unserem Know-How möchten wir gerne dazu beitragen, digitale Lösungen für Angehörige von MdD zu schaffen, die dabei helfen sollen deren Lebensqualität zu steigern.

Demantec: Herr Jessen, Sie haben es eingangs erwähnt, der Fokus des Projekts hat sich in der Verlängerung verlagert. Was macht aus Ihrer Sicht die Untersuchung der Bedürfnisse und Anforderungen von Angehörigen von MmD so bedeutend?
Lars Jessen: Politik, Wirtschaft und vor allem auch der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass alle Beteiligten darüber nachdenken, wie erreicht werden kann, dass Menschen möglichst lange selbstständig in Ihrem Zuhause leben können. Dabei zeigen Studien die besondere Belastung von Angehörigen durch Stress, Krankheit und eine wenig ausgeglichene Work-Life-Balance. Ein Projekt wie Demantec nutzen zu können, um zu sehen, wie wir den Angehörigen helfen können, ist daher sehr interessant. Zudem hat auch der ehemalige dänische Minister für Gesundheit und Innovation das Thema als Schwerpunkt gesetzt, wodurch sich für uns neben dem helfenden Aspekt zusätzlich auch ein hohes Geschäftspotenzials abzeichnet.

Demantec: Herr Stæhr, Sie bieten in Dänemark bereits eine technische Lösung namens „Boblberg“ an. Diese unterstützt Menschen sehr erfolgreich dabei, stärker am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – wie funktioniert das genau?
Anders Stæhr: Boblberg ist eine digitale Plattform, die webbasiert funktioniert, so dass jeder darauf zugreifen kann. Wenn man einen Benutzer erstellt und sich eingeloggt, ist es wie ein Schwarzes Brett, an welchem man die Interessen anderer finden oder seine eigenen Interessen teilen kann. Dadurch kann man Menschen aus der eigenen Region finden, die die gleichen Interessen teilen und dann eine Gemeinschaft schaffen, in der das Interesse oder die Aktivität im Mittelpunkt steht. Dies erleichtert es „gleichgesinnte“ Menschen mit gemeinsamen Interessen zu finden, so dass neue Gemeinschaften entstehen. Bisher wird die Plattform bereits von mehr als 230.000 Dänen genutzt.

Demantec: Demgegenüber hat der „Life-Manager“ im ersten Projektabschnitt bereits die Kommunikation der Mitarbeiter in Pflegeheimen erfolgreich unterstützt. Was denken Sie, Herr Jessen, wie kann Ihre Technologie Angehörigen von Menschen mit Demenz nun bei deren täglichen Herausforderungen helfen?
Lars Jessen: Wir haben viele Kunden in Dänemark, die unsere Telemonitoring- und Messaging-Module bereits erfolgreich nutzen. Unsere bisherigen Erfahrungen zeigen, dass die Verwendung dieser Module den Angehörigen eine engere und einfachere Art der Kommunikation mit den Pflegekräften ermöglicht. Die digital-unterstützte Kommunikationsweise passt besser in ihr tägliches Leben, was somit dazu motiviert die Technologien auch tatsächlich zu nutzen.

Demantec: Und inwiefern hat Demantec die Entwicklung Ihrer Technologie dabei bisher beeinflusst, Herr Jessen?
Lars Jessen: Bisher hat es die Entwicklung noch nicht so stark beeinflusst. Das wird aber umso mehr geschehen, sobald erste direkt erhobene Erkenntnisse zu den Anforderungen von Angehörigen von Menschen mit Demenz an unsere Technologie vorliegen. Wir sehen dies als große Chance zur zielgruppengerechten Weiterentwicklung der Technologie.

Demantec: Und in welchem Bereich sehen Sie vor allem Potenzial, Herr Jessen?
Lars Jessen: Unsere Lösung ist insgesamt bereits sehr ausgereift. Ich sehe aber momentan vor allem das Potenzial, weitere bedarfsorientierte Funktionen zu unserem Messaging-Modul hinzuzufügen.

Demantec: Was sind Ihre diesbezüglichen Erwartungen, Herr Stæhr? Wie wird Ihre Technologie und deren Weiterentwicklung die Angehörigen unterstützen können?
Anders Stæhr: Unsere Lösung hilft den Angehörigen, eine kleine Auszeit vom Alltag zu nehmen, damit sie mehr Reserven zur Verfügung haben, wenn sie sich um das Familienmitglied mit Demenz zu Hause kümmern. Darüber hinaus sind die Angehörigen eingeladen, sich in Selbsthilfegruppen mit anderen Menschen in derselben Situation zusammenzuschließen, damit sie nicht das Gefühl haben, mit ihren täglichen Problemen alleine dazustehen. Auch wir sehen hier im Rahmen der bedarfsorientierten Weiterentwicklung große Chancen für alle Beteiligten.

Demantec: Haben Sie denn bereits Erfahrungen in diesem anspruchsvollen Setting gesammelt, Herr Stæhr?
Anders Stæhr: Wir sind seit Herbst 2018 Teil eines OPI-SBB-Projekts (Supporting-Citizen-Bobles), das vom Europäischen Regionalfonds und dem Süddänischen Wachstumsforum unterstützt wird.In dem Projekt haben wir Erkenntnisse darüber gewonnen, wie der Einsatz von Selbsthilfegruppen von Angehörigen und einer Pflegefachkraft den Wert und die Kommunikation zwischen den monatlichen Treffen zur körperlichen Unterstützung stärken kann. Durch unsere Mitarbeit im Demantec-Projekt möchten wir nun weitere Erfahrungen hinsichtlich des Einsatzes von Boblberg zur Unterstützung von Angehörigen in der Gemeinde Assens machen.

Demantec: Herr Stæhr, Boblberg ist derzeit auf Dänisch und Englisch verfügbar. Wird es in Zukunft auch eine deutsche Version geben?
Anders Stæhr: Ja, es wird auch eine deutsche Version geben. Unser IT-Entwicklungsteam arbeitet derzeit daran und wir hoffen, dass wir sie noch in diesem Jahr veröffentlichen können.

Demantec: Herr Jessen, Herr Stæhr, was ist die langfristige Vision in Bezug auf die Weiterentwicklung Ihrer Produkte und wie werden Menschen, die direkt oder indirekt von Demenz betroffen sind, davon profitieren?
Lars Jessen: Wir wollen ein Vorreiter im Bereich Telemonitoring und Telemedizin sowie in Kommunikation und Planung werden. Auf diese Bereiche werden wir daher unsere Entwicklung konzentrieren. Durch die Integration von Monitoring und Messungen und den Austausch dieser Daten, erhalten die Angehörigen eine neue und aus unserer Sicht verbesserte Möglichkeit mit Ärzten und Pflegefachleuten zu kommunizieren.

Anders Stæhr: Wir möchten Menschen in herausfordernden und belastenden Situationen helfen – und dies besonders, wenn man es keine regionalen Unterstützungsangebote gibt. Derzeit arbeiten wir an mehreren Perspektiven für Boblberg, um Angehörige zukünftig noch stärker unterstützen zu können. Das umfasst z. B. die Themen: Gesetzgebung, Kurse und Aktivitäten in der Umgebung.

Demantec: Vielen Dank für das Interview.

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