Die strategische Implementierung von Technologie in der Pflege

Das Interesse für pflegetechnologische Produkte, die zur Verbesserung der Pflege von Demenzerkrankten beitragen können, steigt. Das eigentliche Produkt ist jedoch nur die eine Seite. Die andere ist, wie die Implementierung gestaltet wird, sodass sowohl Demenzerkrankte, Angehörige und Pflegepersonal als auch der Betriebshaushalt daran nutzenbringend beteiligt sind. Demantec stellte diese Frage auf einer Netzwerkveranstaltung im dänischen Apenrade und kam zu drei wichtigen Schlussfolgerungen.


Der Ratssaal der Stadt Apenrade wird durchdringt von Stimmen deutscher und dänischer Teilnehmer, die nacheinander an diesem Tag mit Fokus auf der strategischen Implementierung von Technologie in der Demenzpflege eintreffen. Sowohl Teilnehmer des Demantec Projektes, Mitglieder von Welfare Tech als auch geladene Redner finden einen Platz an dem großen, runden Tisch des Ratssaales, wo zuvor die Mitglieder des Stadtrates saßen, um Beschlüsse darüber zu treffen, wie die Pflege ihrer Bürger am besten gesichert werden kann.

Wie kann Pflegetechnologie strategisch eingesetzt werden? Eine einfache Frage, die schwer zu beantworten ist. Denn im Implementierungsprozess trifft man auf viele Herausforderungen. Persönlich bin ich hier, um von anderen Erfahrungen zu hören, Wissen auszutauschen und zusammen mit den anderen Teilnehmern einen Konsens zu finden, was eigentlich funktioniert. Denn ich bin überzeugt, dass wir die Antworten auf die großen Fragen dann finden, wenn Menschen zusammen daran arbeiten und gemeinsam zu Lösungen gelangen, sagt Randi Villebro, Berater von Welfare Tech.

Die Unterhaltungen verstummen und das Wort ergreifen Henrik Klode von IntelligentCARE by ANYgroup und Lars Jessen von Life-Partners. Beide haben jahrelange Erfahrung mit der Implementierung von Pflegetechnologien in Heimen und in der häuslichen Pflege. Zusammen mit Simone Petersen von Welfare Tech organisieren sie das Programm des Tages und heißen die Gäste auf Deutsch und Dänisch willkommen.

Sehr passend kommt der erste Vortrag von der dänischen Gemeinde Apenrade, wo durch die erfolgreiche Anwendung von Demenztechnologien, demenzbetroffene Ältere eine verbesserte Lebensqualität erfahren. Danach erzählen Vertreter der dänischen Gemeinde Hedensted, wie sie durch strategische Implementierung von Technologien für pflegebedürftige Bürger im eigenen Zuhause beträchtliche Kosteneinsparungen erzielen konnten.

Ich freue mich darüber, dass die deutsche Seite heute in Form des Demenzkompetenzzentrums Schleswig-Holstein vertreten ist. Man will von Dänemark lernen! In Deutschland wird eine einfachere und bürgernähere Pflege und Zuteilung von Hilfsmitteln und Ressourcen angestrebt. Die deutsch-dänische Diskussion des Tages zeigt, dass wir uns alle einig darüber sind, dass der Ausgangspunkt für den Einsatz und die Implementierung von Pflegetechnologie der Nutzen des zu Pflegenden sein muss, erzählt Randi Villebro.

-> 1. Erkenntnis: Ausgangspunkt der Technologie ist Nutzen des zu Pflegenden

Vorstellung der Produkte und Lösungen

Den Höhepunkt des Tages stellt der Marktplatz dar, wo Unternehmen ihre spannenden und innovativen Produkte vorstellen. Dazu eine Ausstellung, ein Pitch, noch einmal Begeisterung. Und dabei die Hoffnung auf neue Kontakte. Mit großem Enthusiasmus stellen die Firmen ihre Produkte und Leistungen vor, während die Besucher interessiert zuhören und Fragen stellen.

Alle Unternehmen hier auf der Veranstaltung sind sich der Rolle der verschiedenen Organisationen bei der erfolgreichen Implementierung von Produkten bewusst. Sie alle betonen, wie wichtig es ist, die Leitungen, beispielsweise eines Pflegeheimes, an Bord zu haben, wenn neue Technologien implementiert werden sollen. Auch sollte die richtige Organisationskultur und der Wille, Neuerungen im Alltag zu erproben, vorhanden sein. Im Vergleich zu vor einigen Jahren hat sich die Diskussion sehr verändert, denn damals standen Kosteneinsparungen und technologische Funktionalität im Vordergrund, so Randi Villebro.

-> 2. Erkenntnis: Der organisatorischen Aspekte bewusst sein

Die Angehörigen nicht vergessen

Vor dem Ende der Veranstaltung erhalten die Besucher der Veranstaltung eine weitere wichtige Botschaft. Malene Norborg Petersson vom dänischen Komitee für Bildung im Gesundheitswesen erzählt über ihre Erfahrungen zur Einbeziehung der Angehörigen in der Pflege.

Die Angehörigen haben eine zentrale Rolle in der Pflege von älteren und dementen Bürgern, denn ein großer Teil des mit der Pflege verbundenen Aufwandes liegt auf ihren Schultern. Aus diesem Grund ist es wichtig, sowohl für den deutschen als auch für den dänischen Pflegesektor, der Situation dieser Angehörigen unterstützend entgegenzukommen und eine funktionierende Stelle zur Beratung zu etablieren, erklärt Malene Norborg Petersson, Sonderberaterin des Komitees für Bildung im Gesundheitswesen.

In Dänemark wird diese Aufgabe von den Gemeinden erfüllt, unter anderem auch mit der Unterstützung des Komitees für Bildung im Gesundheitswesen, welches in den Gemeinden Kurse über den Alltag als Angehörige und die damit verbundenen Herausforderungen anbietet.

-> 3. Erkenntnis: Die Angehörigen miteinbeziehen

Fazit und Erkenntnisse des Tages

Die Veranstaltung ist beendet und die Teilnehmer geben zur Kenntnis, dass sie viel Neues erfahren haben. Die Vorträge und Diskussionen werden in den drei Schlussfolgerungen des Tages zusammengefasst und beantworten die Frage, wie strategische Implementierung vorangetrieben werden kann:

  1. Ausgangspunkt der Technologie ist der Nutzen des zu Pflegenden
  2. Der organisatorischen Aspekte bewusst sein
  3. Die Angehörigen miteinbeziehen

Diese Schlussfolgerungen sind keine Komplettformel für eine erfolgreiche Implementierung, aber sie zeigen die Richtung, in welche Unternehmen oder Pflegeorganisationen denken sollten.

Heute standen viele verschiedene Themengebiete auf dem Programm. Einige Teilnehmer knüpften neue Kontakte, andere präsentierten ihre Produkte und Lösungen, hielten Vorträge oder teilten ihr Wissen, wieder andere halfen beim Ablauf. Dann gab es eine weitere Person, die heute an einem wichtigen Punkt gearbeitet hat, nämlich die Übersetzerin, die das sprachliche Verständnis ermöglicht hat. An der Seite sitzend hat Sie den ganzen Tag für die Teilnehmer vom Deutschen ins Dänische und dann vom Dänischen ins Deutsche übersetzt. Das erinnert mich an eine weitere wichtige Schlussfolgerung in dieser Veranstaltung: Lerne die Sprache des Marktes, in dem du dein Produkt oder deine Lösung implementieren willst, sagt Randi Villebro.

-> 4. Erkenntnis: Die Sprache des Marktes, in dem das Produkt oder die Lösung implementiert werden soll, lernen

Der Thementag wurde von IntelligentCARE by ANYgroup, Life-Partners und Welfare Tech als Teil des Demantec Projekts, mit Dank an die dänische Gemeinde Apenrade für die Bereitstellung der Räumlichkeiten, arrangiert.

Über Demantec

Demantec ist eine deutsch-dänische Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Gesundheitsexperten, die zum Ziel hat, die Selbständigkeit von Menschen mit Demenz mit Hilfe von Technologien zu fördern und ihre Pflege zu erleichtern.

Demantec wird gefördert durch Interreg Deutschland-Danmark mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und von Syddansk Vækstforum, einem dänischen Fond für regionale Entwicklung.

Erfahren Sie mehr auf: demantec.eu

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