Deutsches Pflegeheim testet dänische Technologie


Im Rahmen des deutsch – dänischen Interreg-Projekts Demantec testeten zwei deutsche Pflegeheime ein Assistenzsystem der dänischen Firma ANYgroup. ANYgroup entwickelt Lösungen für Institutionen, Krankenhäuser und pflegebedürftige Bürger, die in ihren eigenen vier Wänden leben. Hier ein Assistenzsystem, das den Namen IntelligentCARE bekommen hat.


Drei Pflegeheime, die an dem deutsch-dänischen Projekt Demantec beteiligt sind, werden das in Dänemark entwickelte Notrufsystem IntelligentCARE bis zum Sommer 2018 testen. Zwei Pflegeheime in Deutschland und eines in Dänemark erproben IntelligentCARE in der Praxis, um Pflegeheimbewohnern, ihren Angehörigen und dem Personal mehr Sicherheit zu geben und gleichzeitig Ressourcen im Personalbereich freizusetzen.

IntelligentCARE für Institutionen ist ein intelligentes Notrufsystem mit verschiedenen Produktversionen für Demenzkranke und ältere Bürger. Das Rufsystem warnt das Pflegepersonal sofort, wenn der betroffene Pflegebedürfitge Hilfe benötigt. Sowohl wenn derjenige selbst Hilfe über einen manuellen Notruf anfordert, als auch wenn Sensoren automatisch einen Notruf aussenden, ist die Benachrichtigung gewährleistet. Das betrifft auch demente Bürger, die selbst keinen Notruf auslösen können, beschreibt Henrik Klode, der Geschäftsführer von ANYgroup dieses Assistenzsystem.

Die drei Pflegeheime werden erproben, ob das Notrufsystem Ressourcen aus der routinemäßigen Überwachung der Bewohner freigeben kann, sodass das Pflegepersonal mehr Zeit hat bei der Pflege und Fürsorge. Gleichzeitig wird der Test zeigen, welchen Wert es für die Angehörigen hat durch das Notrufsystem die Gewissheit zu haben, dass der demente Ehepartner beispielsweise bei Bedarf stets Hilfe bekommt.

Unterschiede in Deutschland und Dänemark in der Anwendung und bei der Implementierung der neuen Technologie

Demenz stellt sowohl in Dänemark als auch in Deutschland zunehmend eine Herausforderung dar und erhöht den Druck im Pflegesektor. In Zeiten knapper Ressourcen und Fachkräftemangels richtet sich die Aufmerksamkeit auf technische Lösungen und Assistenzsysteme, die die Fachkräfte entlasten können, damit diese mehr Zeit für die Aufgaben im Bereich der Pflege und Fürsorge haben.

IntelligentCARE ist auf dem dänischen Markt bereits gut etabliert und wir freuen uns sehr, die Lösung in den deutschen Pflegeheimen einzuführen und zu erproben. Wir haben unsere Lösung dem deutschen Markt angepasst und sind nun bereit, IntelligentCARE in Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei der ambulanten Pflege in allen deutschsprachigen Ländern anzubieten, so Henrik Klode.

Die erste Erprobungsphase wurde Anfang November 2017 im Pflegeheim Gotthard-und-Anna-Hansen-Stift in Flensburg gestartet. Im dänischen Pflegeheim The Greenhouse in Aabenrade wurde das System Ende November in Betrieb genommen, die Erprobung im zweiten deutschen Pflegeheim, dem Pflegezentrum Techau in Lübeck, wird erst im Januar 2018 beginnen.

Im nächsten halben Jahr werden die Erprobungsphasen in den drei Pflegeheimen dazu beitragen zu ermitteln, ob es in den dänischen und deutschen Pflegeheimen Unterschiede in der Handhabung und Nutzung des Notrufsystems gibt. Das soll zeigen, wie die Implementierung von Technologie in Bezug auf die Mitarbeit des Pflegepersonals und anderer Beteiligter optimiert werden kann.

Die Ergebnisse sind für Demantec im Allgemeinen und insbesondere für die Firma ANYgroup interessant. Sie erhalten Einblicke in die Märkte und in die Art und Weise, wie Technologien von Land zu Land über verschiedene Kulturen hinweg skaliert und angepasst werden, um Wert zu schaffen.  Gleichzeitig erhalten die Partner hier ein Feedback und neue Perspektiven, wie Lösungen in der Pflege dementer weiterentwickelt und der spezifischen Situation angepasst werden kann

Es ist naheliegend nach Deutschland zu exportieren. Der Markt ist groß und die Zahl der älteren Menschen mit Demenz nimmt sowohl in Deutschland als auch in Dänemark zu, was wiederum zu einem erhöhten Bedarf an Technologien und Assistenzsystemen führt, die das Pflegepersonal, die sogenannten ”warmen Hände” bei der Pflege unterstützen können, führt Henrik Klode aus.

Erhöhte Sicherheit und mehr Ressourcen für die Pflege

IntelligentCARE ist Open Source basiert. Dadurch können Produkte von Drittanbietern in das System integriert werden. Kurz gesagt bedeutet dies, dass alle Produkte in das System integriert werden können, solange sie auf dem offenen „Zigbee-Protokoll“ basieren, wie z.B. das System von IntelligentCARE. Dies bedeutet auch, dass dieses Assistenzsystem zu 100% zukunftssicher ist, da ein Pflegeheim immer neue relevante Produkte an das System anschließen kann.

Notrufe können manuell von den Bürgern selbst oder automatisch über intelligente Sensoren ausgelöst werden. Dies schafft zusätzliche Sicherheit für den dementen Pflegebedürftigen, insbesondere wenn dieser Schwierigkeiten hat, selbst einen Alarm auszulösen. Einer der Sensoren ist der im Hause entwickelte und patentierte Bettsensor von ANYgroup. Dieser kann sowohl in das Bett als auch über das Bett hinaus „schauen“ und den Betreuern mitteilen, ob ein Pflegebedürftiger sich im Bett befindet oder nicht.

Der Sensor ist „intelligent“, sodass er einen Alarm an das Pflegepersonal senden kann, wenn ein Pflegebedürftiger sein Bett verlässt, ohne zurückzukehren. Er kann auch feststellen, ob sich ein Pflegebedürftiger in seinem Bett befindet, sodass das Pflegepersonal nachts unnötige Störungen des Pflegebedürftigen vermeiden kann. Gleichzeitig kann das System über grafische Darstellungen anzeigen, wann und wie oft ein Pflegebedürftiger sein Bett verlässt. Das sind Informationen, die dem Pflegepersonal helfen den Pflegeaufwand bei jedem einzelnen Pflegebedürftigen zu optimieren.

Ein weiterer Sensor, der auch in Pflegeheimen zum Einsatz kommt, ist der Bewegungssensor IntelligentCARE. Er kann sogar herausfinden, ob ein Bürger gerade zur Toilette geht. Ein grafischer Überblick darüber zeigt dann, wann und wie oft ein Bürger auf die Toilette gegangen ist. Das kann ein früher Hinweis auf eine mögliche Krankheit sein, was ein an Demenz Erkrankter möglicherweise selbst nur schwer artikulieren kann.

Neben Bett- und Bewegungssensoren sollen die Pflegeheime auch manuelle Notrufe, Notrufe mit Zweiwegekommunikation, Türsensoren und Sensoren zum Schutz Dementer Pflegebedürftiger testen. All dies trägt dazu bei, dem Bedürfnis nach Sicherheit bei den Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und den Betreuern nachzukommen und dabei gleichzeitig Ressourcen für die Pflege und andere wichtige Aufgaben freizusetzen.

Implementierung auf Augenhöhe

Die Signale der Notrufe von IntelligentCARE werden in einer App empfangen und bearbeitet. Diese App ist für das Pflegepersonal leicht zugänglich. Mit der App können die Mitarbeiter individuelle Einstellungen für jeden der Pflegebedürftigen vornehmen und grafische Darstellungen des jeweiligen Bewegungsverhaltens sehen.

Im Rahmen der Erprobung im Demantec-Projekt wurde die App ins Deutsche übersetzt – ein absolutes Muss, wenn das Assistenzsystem in Deutschland eingesetzt werden soll. Um eine effektive Implementierung zu gewährleisten, wurden zudem zwei Workshops vor der eigentlichen Erprobung durchgeführt, sodass Pflegepersonal, Verwaltungspersonal und Servicetechniker das Assistenzsystem bereits vor der Inbetriebnahme kennengelernt hatten.

Wir legen immer großen Wert darauf, dass die Implementierung in enger Zusammenarbeit mit dem Management und den Mitarbeitern der Pflegeheime erfolgt. Das ist auch im Altenheim in Flensburg von großer Bedeutung, da sowohl die Sprache als auch die andere Kultur eine Barriere sein können, erklärt Henrik Klode. Es geht darum, den Anwender auf Augenhöhe anzusprechen. Auf diese Weise schaffen wir den besten Rahmen für eine erfolgreiche Implementierung.

Während der Erprobung in den drei Pflegeheimen wird bei der Halbzeit des Projekts eine Bewertung vorgenommen, bei der Anpassungen und Justierungen vorgenommen werden. Wenn die Erprobung abgeschlossen ist, liegt es an dem jeweiligen Pflegeheim zu beurteilen, ob IntelligentCARE standardmäßig als ein fester Bestandteil der Pflegemaßnahmen behalten wird.

ANYgroup, Aabenraa Kommune und das Gotthard-und-Anna-Hansen-Stift in Flensborg, unter dem DIAKO Pflegenetz, sind Partner bei Demantec.

Weitere Informationen:

ANYgroup hat zurzeit über 6000 Assistenzsysteme in Dänemark und in Grönland.

Für weiterführende Information  www.intelligentcare.com

Wollen Sie mehr über IntelligentCARE und die Erprobung im Gotthard-und-Anna-Hansen-Stift in Flensburg, setzen Sie sich bitte mit dem Geschäftsführer in Verbindung Henrik Klode, T. +45 2076 1943, hk@intelligentcare.com

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