Demenzrichtlinien: ein Vergleich zwischen Deutschland und Dänemark

Von Sen.Ass. Professor Lene Bjerregaard, PhD, University College Absalon


Wie viele andere europäische Länder fokussieren sich sowohl Dänemark als auch Deutschland auf die umfangreichen Herausforderungen, die das Krankheitsbild Demenz mit sich führt. Dazu gehören die frühe Diagnose, die Erhaltung der Selbstständigkeit der Betroffenen, ununterbrochene Betreuungsketten, Verbesserung der Arbeitsumstände für die Betreuer, eine Aufgeschlossenheit für
technische Assistenzsysteme und die Entstigmatisierung und Unterstützung der Autonomie.


Da der Europäische Rat 2015 eine Schlussfolgerung zum Thema „Unterstützung der Menschen mit
Demenz“ gezogen hat, sind alle Mitgliedstaaten verpflichtet Demenz eine obere Priorität zuzuweisen,
nationale Strategien oder Aktionspläne zu entwickeln und die Zusammenarbeit unter den
europäischen Ländern zu stärken.
Im Jahr 2016 haben Parlamentsmitglieder aus Deutschland und Dänemark die schriftliche Erklärung des
Europäischen Parlaments zur Priorisierung einer kontinentalen Demenzstrategie unterschrieben. In diesem Zusammenhang ist das Europäische Parlament der European Alzheimer’s Alliance
beigetreten. Die Europäische Alzheimer Allianz hat derzeit drei Parlamentsmitglieder, jeweils aus
Deutschland und Dänemark.

Nationale Demenzstrategien in Deutschland

Auf nationaler Ebene wird das Demenzproblem in Deutschland von verschiedenen Ministerien
behandelt, z.B. von dem Bundesministerium für Gesundheit, vom Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
Im Jahr 2012 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine
Evaluation der nationalen Demenzpläne in anderen europäischen Ländern initiiert und im
Anschluss festgestellt, dass Deutschland eine nationale Demenzstrategie benötigt. Die Staatssekretäre
der BMFSFJ und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) haben sowohl die Nationale Allianz für
Menschen mit Demenzerkrankungen, als auch die Deutsche Demenzallianz und ein
Handlungsfeld für die Allianz gegründet.
Am 15. September 2014, hat die Deutsche Demenzallianz eine Agenda eingeführt, um die
Grundlagen einer nationalen Demenzstrategie zu implementieren. Diese nennt sich „Gemeinsam
für Menschen mit Demenz“ und wurde von der deutschen Bundesregierung in Zusammenarbeit
mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. gestiftet.
Die Gemeindebehörde, Gesundheits- und Pflegeverbände, Wissenschaftler und zivile
Gesellschaften waren alle an einer intensiven Diskussion beteiligt, die zu einer Vereinbarung
konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität für Menschen mit Demenz und Ihrer
Familien führen sollte. Hierbei bilden die Bundesministerien den Vorsitz und der Deutschen Alzheimer
Gesellschaft den stellvertretendem Vorsitz.
Bis 2017 beabsichtigen die Ministerien mehr Häuser und Zentren für Personen mit Demenz, sowie
das Aufbauen von Gemeindeunterstützungsnetzwerken zu sichern. Ein erster Prozessbericht ist für
das Frühjahr 2016 geplant.

Nationale Demenzstrategien in Dänemark

In Dänemark begann die Arbeit für eine nationale Demenzstrategie in 2009 unter der
Schutzherrschaft des Sundheds- og Ældreministeriets (Ministerium für Gesundheit und Senioren)
und des Social- og Indenrigsministeriets (Ministerium für Soziales und Inneres). Das Ausgangsziel
war hierbei zu etablieren, wie Menschen mit Demenz sowohl medizinisch als auch sozial behandelt
werden. Diese Arbeit führte zum ersten nationalen Plan für Demenz 2011-2014, der 14 spezifische
Empfehlungen beinhaltete. Der Nationalen Demenzstrategie wurden ein Betrag von 4,1 Millionen
Euro (30,5 Millionen DKK) einschließlich der Gründung des dänischen Demenzforschungszentrums
zugewiesen. Die Dänische Alzheimer Assoziation spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in der
Abfassung der 14 spezifischen Empfehlungen.
Am 26. September 2016 wurde der dänische nationale Demenzaktionsplan eingeführt. Dieser Plan
läuft bis 2020 mit einem Budget von 470 Millionen Kronen und hat drei Hauptziele:
• Dänemark soll ein Demenzfreundliches Land sein, indem Personen mit Demenz ein
würdiges und sicheres Leben leben können.
• Die Behandlung und Pflege von Personen mit Demenz soll sich nach den Bedürfnissen und Werten der einzelnen Person richten und in einem zusammenhängenden Behandlungsverlauf mit Fokus auf Prävention, Früherkennung, Einsatz von neuem Wissen und erhöhtem Forschungseinsatz angeboten werden.
• Angehörige sollen aktiv eingebunden werden und gleichzeitig mehr Unterstützung im Leben
als Angehörige/r erhalten. Hauptsächlich zielt Dänemark auf einen neuen nationalen Demenzaktionsplan ab, der reelle Veränderungen im Alltag der Betroffenen hervorbringt. Alzheimerforeningen, die dänische
Alzheimer Assoziation, hat eine aktive Rolle bei der Entwicklung des neuen Plans gespielt.

Für weitere Information

Bitte kontaktieren sie Sen.Ass.Professor Lene Bjerregaard, PhD, University College Sealand,
lebj@ucsj.dk
Links für weitere Information:
Deutschland:
Alzheimer’s Association, Germany: http://www.alz.org/de/dementia-alzheimers-germany.asp
Alzheimer Europe, Fakten über Deutschland: http://www.alzheimer-europe.org/Policy-in-
Practice2/National-Dementia-Strategies/Germany? – fragment1
The German Dementia Alliance, Allianz für Menschen mit Demenz (nur auf Deutsch):
http://www.allianz-fuer-demenz.de/
Dänemark:
Alzheimerforeningen Danmark, The Danish Alzheimer Assiciation (nur auf Dänisch):
http://www.alzheimer.dk/nyheder/alzheimerforeningen-roser-sundhedsminister-demensplan
Danish Dementia Research Centre: http://uk.videnscenterfordemens.dk/