Demenzkranke radeln in vertrauter Umgebung


Die Bewohner des Pflegeheims im dänischen Apenrade stimulieren Muskeln und Gehirn gleichzeitig, wenn sie eine Fahrradtour in die ihnen vertraute Umgebung unternehmen, jedoch ohne das Pflegeheim zu verlassen. Diese ”Ausflüge” wirken sich besonders positiv auf Bewohner aus, die unter einer Demenzerkrankung leiden, da diese dazu motiviert werden sich zu bewegen und sich gleichzeitig darüber freuen können eine ihnen bekannte Umgebung zu sehen.


Vier Pflegeheime in Apenrade haben zusammen eine Lösung entwickelt, die kurz und knapp beschrieben darauf hinausläuft, dass die Bewohner  auf einem Heimtrainer radeln, während ein Film ihres Geburtsortes oder früheren Wohnortes auf einem Schirm vor ihnen gezeigt wird.

”Das ist eine einfache Lösung, aber sie macht einen großen Unterschied im Alltag der Bewohner aus. Wenn man an Demenz erkrankt ist, kann es schwer sein die Motivation dafür aufzubringen sich zu bewegen, da man oft nicht mehr weiß, wo man sich gerade befindet.”, meint Anne Pagh, Seniorenberaterin der Gemeinde von Apenrade.

Obwohl diese Lösung zunächst einmal recht simpel ist, hat sie einen großen Effekt. Im Pflegeheim Grønningen radelten die 20 Bewohner in den ersten drei Wochen zusammen stolze 112 Kilometer. Und dieses Training ist wichtig, denn im September nehmen die Bewohner an der WM im Radfahren für Bewohner von Pflegeheimen teil. Bewohner von Pflegeheimen aus verschiedenen Ländern konkurrieren im Radfahren auf Heimtrainern. Das ist ein internationaler Event, der zur gleichen Zeit wie die Rad-WM in Bergen (Norwegen) stattfindet.

Positive Erlebnisse und sichtbare Ergebnisse

Die Radfahrlösung motiviert ins besondere bei Heimbewohnern mit Demenz zu mehr Bewegung im Alltag. Wenn ein Demenz-erkrankter Bewohner eine Radtour durch die Stadt seiner Kindheit unternimmt, werden frühe Erinnerungen geweckt, die im Langzeitgedächtnis gespeichert sind. Das schafft Augenblicke des Wiedererkennens und Glücksgefühle. Der Heimtrainer in Kombination mit den kurzen Filmen gibt den Pflegeheimbewohnern ein positives Erlebnis in Kombination mit Bewegung.

Die Gemeinde in Apenrade hat bereits positive Erfahrungen mit dieser Lösung gesammelt, die nun in der Hälfte aller Pflegeheime der Gemeinde angewandt wird. Erfahrungen mit dieser Lösung und sichtbare Ergebnisse sind, dass das Risiko zu fallen gesenkt wird, die Menge an verabreichten Medikamenten reduziert wird, die Bewohner besser schlafen und aktiver am sozialen Leben teilnehmen.

Diese positiven Ergebnisse sowie die Lösung an sich wurden den Teilnehmern der deutsch-dänischen Demenzkooperation, Demantec, vorgestellt. Im Juni 2016 besuchten die Teilnehmer im Rahmen der Startkonferenz von Demantic das Pflegeheim Rise Parken in Apenrade und konnten sehen, wie man hier verschiede technische Lösungen in der Pflege von Demenzerkrankten anwendet. Das Interesse an der Heimtrainerlösung und an den Erfahrungen des Pflegeheims hiermit war groß, sowohl auf deutscher als auch auf dänischer Seite.

Technologie als Teil des Alltags

Die Gemeinde in Apenrade arbeitet zielgerichtet mit der Einführung von Wohlfahrtstechnologie und neuen Lösungen, die die Lebensqualität von Menschen mit Demenz verbessern. Das Heimkino für Radfahrer ist nur eines von vielen Beispielen aus dem Bereich Wohlfahrtstechnologie für Demenzpatienten, wo die Gemeinde Technologien und Lösungen getestet, implementiert oder weiterentwickelt hat.

Ihre Erfahrungen und Ergebnisse mit dem und im Gebrauch von Wohlfahrtstechnologie teilt die Gemeinde gerne mit anderen. Die Türen der Gemeinde sind immer offen, für Unternehmen sowie für andere Gemeinden und Pflegeheime, die sich einen Einblick verschaffen wollen, wie die Gemeinde Lösungen entwickelt und anwendet. Die Gemeinde ist selbstverständlich Partner bei Demantic, um über die deutsch-dänische Grenze hinaus Wissen und Erfahrungen zu teilen und selbst Input und Inspirationen zu erhalten.

Wünschen Sie weiterführende Informationen zu dem Projekt ”Radfahren für Demente” oder aber zu der Arbeit der Gemeinde Apenrade im Bereich Wohlfahrtstechnologie, kontakten Sie bitte Anne Pagh, Seniorenberaterin bei der Gemeinde in Apenrade, Tel. +45 7376 7289, E-Mail: akpa@aabenraa.dk

Die Gemeinde Apenrade ist Teilnehmer von Demantec, einer deutsch-dänischen Kooperation zwischen Unternehmen und Forschungs- und Ausbildungsinstitutionen im Bereich Gesundheit, mit den Aufgaben die Selbstständigkeit Demenzerkrankter zu fördern und deren Pflege durch technische Lösungen zu verbessern.

Demantec wird von der Interreg Deutschland-Dänemark mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung und Syddansk Vækstforum finanziert.

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