Demenz betrifft die gesamte Gesellschaft


Das steigende Lebensalter und die veränderten Lebensverhältnisse führen dazu, dass sich die Gesellschaft vermehrt auf demente Menschen einstellen muss. Diese Tatsache galt als zentrales Thema der Konferenz, die im Rahmen des Interreg 5a – Projektes Demantec stattfand. Behandelt wurde vor allem Herausforderungen, welche die steigende Anzahl Demenzerkrankter für die Gesellschaft in Schleswig-Holstein. Im Zuge dessen wurde ebenfalls der Demenzplan thematisiert, der im Oktober 2017 vom Landesparlament verabschiedet wurde.


In dem Demenzplan (Mehr Informationen unter: http://www.demenzplan-sh.de/) wird dargelegt, welche gesellschaftlichen Bereiche von dem Krankheitsbild Demenz betroffen sind. Darüber hinaus werden Empfehlungen gegeben, wie man diesen Herausforderungen begegnen kann.

Dörte Christens-Kosta vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Jugend, Familie und Senioren stellte den Demenzplan in ihrem Vortrag auf der Konferenz vor. Der Demenzplan ist dreigliedrig mit den Ansätzen Barrieren im Umgang mit an einer Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen zu senken (1), ein Bewusstsein für ihre Lebenssituation zu schaffen (2 ) und Begegnungen zu fördern (3). Für jeden Teilbereich hat wurden Empfehlungen formuliert. In dem persönlichen Gespräch betonte Frau Christens-Kosta, wie ernst es dem Land mit dieser zukunftsrelevanten Thematik ist. ”Man hat hier auch Mittel in die Hand genommen und für die Umsetzung des Plans ein Budget bereitgestellt, das schon in den Haushalten der nächsten Jahre verankert wurde.”

Es war kein Zufall, dass diese Konferenz in Flensburg stattfand. Heidi Lyck von der Sozial- und Altenhilfeplanung der Stadt Flensburg berichtete von den Anstrengungen, die man seitens der Stadt Flensburg unternimmt, um Menschen, die an Demenz erkrankt sind, entgegen zu kommen und ihnen solange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das reicht von der Gestaltung von Verwaltungsvorgängen bis zur Planung des öffentlichen Raums. Flensburg hat sich zum Ziel gesetzt, sich zu einer Demenz-freundlichen Stadt zu entwickeln.

Im Krankenhausbereich erschwert die Demenzerkrankung die Behandlung und Pflege von Patienten, die häufig aufgrund anderer Beschwerden eingeliefert werden. ”Diesem erhöhten Pflegebedarf kann man nur vorrauschauend begegnen, indem man Demenz in den Krankenhausalltag integriert und einplant.”, so Frau Hinrichsen von der stellvertretenden Pflegedienstleitung des Diakonissenkrankenhauses in Flensburg. Auch das Krankenhaus möchte sich zu einem Demenz-freundlichen Krankenhaus entwickeln.

Die Sicht seitens der Betroffenen präsentierte Iris Jirka von der Alzheimergesellschaft. In ihrem Vortag stellte sie die Alzheimergesellschaft und deren Arbeit vor. Der Landesverband in Schleswig-Holstein war vom Ministerium mit der Erstellung des Demenzplans beauftragt worden. Der Verband hat einen großen Erfahrungsschatz mit den Bedürfnissen dementer Mitbürger und nimmt eine aktive Rolle bezüglich der im Demenzplan formulierten Zielsetzungen ein. Er bietet online Hilfsstellungen für Menschen, die an Demenz erkrankt sind sowie deren Angehörige an (Mehr Informationen unter: http://www.alzheimer-sh.de/).

Ein gelungenes Schlusslicht in der Reihe sehr interessanter Vorträge setzte Anne Brandt vom Kompetenzzentrum Demenz, Schleswig-Holstein. In ihrem von Engagement und Empathie getragenen Vortrag zeigte sie auf, wie auch kleine und überschaubare Initiativen und Angebote Demenzpatienten erreichen und ihnen neue Lebensqualität im Alltag geben können, der oft von Tristesse geprägt ist.

Auch jenseits der Grenze in Dänemark ist Demenz eine Herausforderung, der man sich stellt. Der gegenseitige Austausch über die Grenze hinweg soll für beide Seiten Wege aufzeigen, wie man den Problemen begegnen kann.

Unternehmen aus Dänemark waren angereist um Lösungen und Produkte vorzustellen, die die Arbeit in der Pflege erleichtern, um Freiräume für das, was man in Dänemark ”Qualitätszeit” nennt zu schaffen. Qualitätszeit ist dazu da, sich intensiver mit dem Betroffenen beschäftigen zu können, um diese ein Stück weit dem reinen Pflegealltag zu entreißen.

Man sah die Unternehmen auf der Konferenz im angeregten Dialog mit dem Fachpublikum aus der Pflege und den anwesenden Angehörigen, die sich genau das für ihr Familienmitglied wünschen. Vorgestellt wurden Lösungen und Produkte, die die Pflege erleichtern und effektiver gestalten vom Bett bis zum Sensor.

Die Sensortechnologie ist in Dänemark schon fortgeschritten, da diese für alle Beteiligten, den Dementen, seine Angehörigen und das Fach- und Pflegepersonal, ein Stück Sicherheit bietet.  So wird beispielsweise Stürzen und dem sich Entfernen oder auch Verschwinden orientierungsloser Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung mit allen daraus resultierenden Konsequenzen vorgebeugt. Ein neuer Bereich für die Sensortechnologie ist die Überwachung des Vitalzustandes dementer Pflegebedürftiger. Hier erlauben frühzeitig registrierte kleine Änderungen ein rechtzeitiges und effektives Eingreifen und somit eine verbesserte Pflege bei einer stetig abnehmenden Personaldichte.

Und hier schließt sich der Kreis: Auf der Konferenz wurde sehr deutlich, dass die Demenzerkrankung alle gesellschaftlichen Ebenen und Bereiche betrifft und dass man diesen Herausforderungen am besten vorbeugend entgegentritt.

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