Demantec ‒ ein spannendes, erfolgreiches Projekt geht zu Ende

Demantec startete im Februar 2016 mit dem Ziel, innovative Technologielösungen in Pflegeheimen zu implementieren. Das Projekt wurde erfolgreich verlängert und ging im März 2019 in die zweite Runde. Bei der Verlängerung lag der Fokus auf pflegenden Angehörigen im häuslichen Umfeld, ihren Belastungen, Entlastungen und Bedürfnissen, und dafür wurden die bei Demantec zum Einsatz kommenden Technologien je nach Bedarf angepasst. Leider endet das Projekt im August dieses Jahres, und das möchten wir zum Anlass nehmen, noch einmal darüber zu berichten.

Demantec, ein von Interreg5a finanziertes Projekt, bringt nicht nur neue Technologien mit den Bedürfnissen von pflegenden Angehörigen von Demenzkranken zusammen, sondern auch zwei Länder ‒ Deutschland und Dänemark. Während der Verlängerung arbeiteten vier Partner eng zusammen. Die Hochschule Flensburg agierte als federführender Partner und wissenschaftliche Unterstützung in Deutschland. Auf dänischer Seite kam die wissenschaftliche Unterstützung vom University College Absalon. Außerdem hat Demantec zwei Technologiepartner gewinnen können: Boblberg.dk und Life-Partners A / S. Gemeinsam identifizierten die Partner die Belastung, die Angehörige von Menschen mit Demenz bei der häuslichen Pflege erfahren, und erprobten in Workshops an die Bedürfnisse angepasste Technologien. Die grenzüberschreitende Arbeit hat in beiden Ländern das wichtige Thema Demenz stärker in den Fokus gerückt, und beide Seiten konnten vom jeweils anderen Land etwas lernen.

Dieser Artikel soll die unterschiedlichen Eindrücke und Erfahrungen aller Partner in diesem grenzüberschreitenden Projekt aufzeigen.

Untersuchung des Nutzens beim Einsatz von Technologien in der häuslichen Umgebung

Die Hochschule Flensburg erstellte eine Literaturübersicht, führte eine Marktanalyse innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) durch, untersuchte Organisationsstrukturen und besuchte zahlreiche Events und Netzwerkveranstaltungen. Auf dieser theoretischen Grundlage wurde in Flensburg gemeinsam mit Boblberg ein Workshop durchgeführt, in dem pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz mit entlastenden Technologien vertraut gemacht wurden.

Nach dem Workshop wurden die Angehörigen interviewt. Die Interviews sollten folgende Forschungsfragen beantworten: Wie erleben Angehörige von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz ihre Lebensqualität und wie beeinflusst der Einsatz von IKT ihre Lebensqualität? Welche Hürden gibt es bei der Verbreitung und Akzeptanz von IKT-Lösungen, die Angehörige von zu Hause lebenden Menschen mit Demenz unterstützen, und wie können sie überwunden werden?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die befragten Angehörigen für die Pflege verantwortlich fühlen und sehr engagiert sind. Sie erklärten, nur in eingeschränktem Maße mit ihrem Leben zufrieden zu sein.

In Bezug auf den Einsatz von Technologien äußerten sich die meisten Befragten neugierig und positiv über den Nutzen von IKT. Eine tatsächliche Unterstützung würden sie durch die Kommunikation und Vernetzung mit anderen Menschen, dem Hausarzt oder der Tagesbetreuung erfahren.

Eine der befragten Personen hält die Technologie für weniger hilfreich, da der Austausch von Informationen oder die Diskussion von Problemen mit anderen Personen in der gleichen Situation eine zusätzliche Belastung darstellen würde.

Keiner der Befragten machte sich Sorgen in Bezug auf den Datenschutz.

Insgesamt überwog die Ansicht, dass der Einsatz von Technologien großes Potenzial hat, solange sie benutzerfreundlich sind.

Digitale Kommunikation rund um die Uhr ‒ eine sinnvolle Unterstützung für hilfsbedürftige Angehörige von Menschen mit Demenz

Die Projektgruppe des University College Absalon hat in sechs Workshops Feldforschung zur Einführung einer digitalen Plattform in zwei dänischen Gemeinden betrieben. Insgesamt nahmen 32 Ehepartner, sieben Demenzkoordinatoren, acht Freiwillige und eine Krankenpflegeschülerin an den Workshops teil. Ziel der Workshops war es, die Bedürfnisse von Angehörigen, die mit einem an Demenz erkrankten Ehe- oder Lebenspartner zusammenleben, zu ermitteln. Außerdem wollte man herausfinden, wie ein digitales Kommunikationsmittel die Angehörigen bei der Verbesserung ihrer Lebensqualität unterstützen kann.

Vorstellungen und Erwartungen

Sowohl die pflegenden Angehörigen als auch die Fachkräfte und Freiwilligen schienen sich insgesamt vorzustellen zu können, wie das digitale Kommunikationstool dafür sorgen könnte, die Lebensqualität der Angehörigen zu verbessern. Genau das war auch das Ziel, denn die digitalen Plattformen bieten ja gerade die Möglichkeit, die verschiedenen Bedürfnisse der Angehörigen ‒ z. B. die Suche nach relevanten Informationen oder die Möglichkeit, mit anderen schriftlich oder per Video rund um die Uhr zu kommunizieren, miteinander zu verbinden.

Realisierung

Die Umsetzung war jedoch leider nicht erfolgreich, da die Angehörigen nicht über die Ressourcen verfügten, um sich verantwortlich um die Umsetzung und die Organisation zu kümmern, und somit war die Zuständigkeit unter den Fachkräften und den Freiwilligen nicht eindeutig.

Statements aus den Workshops zeigen die Motivation für den Einsatz digitaler Kommunikationsmittel:

  • um die Lebensqualität der Angehörigen zu unterstützen, indem z. B. die Teilnahme an sozialen Gemeinschaften in digitaler Form erleichtert wird
  • als „Türöffner“, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen
  • um Möglichkeiten für die schriftliche Kommunikation und den virtuellen Kontakt zwischen Angehörigen und Fachkräften zu eröffnen
  • zur Nutzung als Wissensdatenbank zu Themen wie z. B. Vormundschaft, stationäre Betreuungseinrichtungen, Gesetzgebung zur Zwangsausübung, Informationen über Krankheiten, Unterstützungsangebote/-leistungen

Das digitale Werkzeug Life-Manager wird in mehreren Gemeinden erfolgreich für die tägliche Kommunikation zwischen Bürgern mit Demenz, ihren Angehörigen und den Mitarbeitern eingesetzt

Life-Manager kommt in dänischen Gemeinden in vielen Bereichen zum Einsatz, insbesondere in der Altenpflege. Im Demantec-Projekt konzentrierten sich die Gemeinden insbesondere auf die Kommunikation zwischen Bürgern mit Demenz, ihren Angehörigen und Mitarbeitern sowie Spezialisten.

Es ist klar, dass in der Nutzung digitaler Plattformen durch Angehörige von Bürgern mit Demenz, aber auch durch die Bürger selbst, ein großes und bisher nicht ausgeschöpftes Potenzial steckt!

Deutlich geworden ist aber auch, wie wichtig es ist, dass wir eine sorgfältige Analyse durchführen und den Einsatz von verschiedenen digitalen Werkzeugen gut vorbereiten. Wir müssen analysieren und klären, welchen Nutzen wir uns vom Einsatz der Technologie versprechen, welche Arbeitsabläufe sie stört und wie wir diese Arbeitsabläufe sowie die Dienstleistungen, die wir den Bürgern und ihren Angehörigen anbieten, verändern werden.

Einer der Aspekte, der am meisten überrascht hat, ist, wie gut sowohl Bürger mit Demenz als auch ihre Angehörigen das Video-Tool angenommen haben. Und zwar sowohl für Gespräche als auch für Schulungen. Es eignet sich für 1:1-Sitzungen, aber auch für Gruppenformate.

Immer noch warten viele neue Erkenntnisse und spannende Möglichkeiten auf uns, denen wir uns offen und neugierig stellen müssen.

Leicht wird es nicht, aber ein weiser Mann sagte einmal: „Zum Erfolg gibt es keinen Lift. Man muss die Treppe benutzen. Dafür ist die Befriedigung auch viel größer …“

Boblberg hat Supporting Citizen Groups in Dänemark und Deutschland getestet

Die von Boblberg entwickelten Supporting Citizen Groups sind ein Tool für Angehörige, um mit anderen Angehörigen zu kommunizieren. Es soll sie bei den täglichen Herausforderungen unterstützen, wenn sie mit einer Person mit Demenzerkrankung zu Hause leben.

Während des Projekts wurden die Angehörigen zu ihren Bedürfnissen und Belastungen beim Zusammenleben mit einer Person mit Demenz befragt.

Wie einer der Angehörigen sagte:

„Ich wünsche mir ein Tool, um mit anderen Angehörigen in der gleichen Situation zu jeder Tageszeit kommunizieren zu können“

Im Laufe des Projekts haben sich die Angehörigen mit dem Tool vertraut gemacht und wurden in der neuen Technologie geschult. Die Angehörigen äußerten sich positiv über Supporting Citizen Groups, als sie das Tool testeten. Sie gewannen neue Erkenntnisse und nahmen die technologische Lösung gut an.

Darüber hinaus fühlten sie sich von anderen Angehörigen, die sich in der gleichen Situation befanden, unterstützt.

In Dänemark hat Boblberg in verschiedenen Gruppen getestet: in der Gemeinde Assens mit Angehörigen von Ehepartnern mit Demenz und in der Gemeinde Køge mit zwei verschiedenen Gruppen: Angehörige mit zu Hause lebenden dementen Ehepartnern sowie erwachsene Kinder von Demenzkranken.

In Deutschland hat Boblberg Tests mit einer Gruppe von Angehörigen durchgeführt, die die Hochschule Flensburg zusammengestellt hat.

Die Ergebnisse des Projekts bestätigten den enormen Bedarf der Angehörigen für ein Instrument zur Kommunikation mit anderen Angehörigen, aber es stellt sich immer noch die Frage, wer die Umsetzung bei den Angehörigen wie übernehmen kann?

Fazit dieser Eindrücke

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle 4 Partner im Projekt ihre ganz eigene Lernerfahrungen gemacht haben. Der Austausch der jeweiligen Ergebnisse untereinander hat die Projektpartner und damit auch die interregionale Zusammenarbeit wesentlich gestärkt.

Diese Eindrücke, insbesondere über die verschiedenen Systeme zur Unterstützung pflegender Angehöriger, zeigen, dass es noch viel voneinander zu lernen gibt.

In Dänemark ist der Einsatz von Technologie in diesem Bereich weiter verbreitet, und es werden unterstützende Strukturen wie Demenzkoordinatoren eingerichtet. Daher ist es für Unternehmen dort leichter, in den Markt einzutreten. Aber manchmal ist es nicht so einfach, einen nachhaltigen Einsatz solcher Lösungen sicherzustellen, weil die Demenzkoordinatoren eine Menge anderer Aufgaben haben. Die Zuständigkeiten müssen zwischen Freiwilligen und Fachkräften besser koordiniert werden.

In Deutschland basieren unterstützende Strukturen hauptsächlich auf Freiwilligen, und es ist schwierig, an die pflegenden Angehörigen heranzukommen. Dies könnte aber auch ein Erfolgsfaktor für die Umsetzung sein, denn viele von ihnen sind wirklich daran interessiert, mit anderen in Kontakt zu treten. Sie haben jedoch keine Zeit und Energie, um sich einer regelmäßigen Gruppe anzuschließen.

Eine Kombination aus beidem, Gruppentreffen im wirklichen Leben und virtuelle Gruppen, in denen sie Wissen austauschen können, ohne vor die Tür zu müssen, könnte den Bedürfnissen der meisten pflegenden Angehörigen entgegenkommen.

Und dieses Projekt brachte viele Erfahrungen und Erkenntnisse, die nun in die Praxis umgesetzt werden können.

 

Demantec wird gefördert durch Interreg Deutschland-Danmark mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

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